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Industrialisierung und Globalisierung

Neufra. Innenaufnahmen von Arbeitsplätzen gibt es wenige. Hier der Nähsaal der Firma Schey um 1930, als Holzkonstruktionen noch üblich waren.

Neufra. Die1901 gegründete Firma Stern mit Belegschaft. Eine Dampfmaschine war von 1934 – 1972 in Betrieb. Dasselbe Foto ist Exponat im Maschenmuseum in Tailfingen.

Neufra. Belegschaft der Firma Schey in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Man beachte den hohen Männeranteil dieser Textilfirma!

Auch bei der Bahn selbst wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. So wie hier beim Gleisumbau (1963 in der Steigung hinter Neufra) gestaltete sich jahrzehntelang der Arbeitsalltag vieler Neufraer „Gramper“.

Die Industrialisierung, die durch die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur durch die Hohenzollerischen Landesbahn im Bereich der mittleren Alb ausgelöst wurde, hatte für die Bevölkerung genauso große Auswirkungen wie die Globalisierungswelle ab den 1980er Jahren.

Sowohl bei der Industrialisierung als auch bei der Globalisierung wurden Veränderungsprozesse von außen angestoßen – die Bürger waren darauf nicht vorbereitet, mussten sich aber auf die neue Zeit einstellen.

Zunächst gab es in Neufra und Gammertingen eine größere Zahl von neuen Arbeitsplätzen direkt bei der Bahn. So ist nachgewiesen, dass  in den 1930er Jahren die meisten „Gramper“ (Arbeiter, die die Gleisanlagen in Schuss hielten) der Rotte Gammertingen aus Neufra stammten. Dies lag auch daran, dass außerlandwirtschaftliche Arbeitsplätze für Männer in Neufra rar waren. Typische Neufraer Namen auf der Lohnliste der Hohenzollerischen Landesbahn waren Türk, Dietmann oder Leuze.

Neben der Arbeit bei der Hohenzollerischen Landesbahn, die nicht genug einbrachte, hatten die meisten von ihnen noch eine kleinbäuerliche Landwirtschaft. Von Obergleiswerker Wetzel (1907 – 1983) wissen wir, dass er vor Arbeitsbeginn „den Stall machen“ musste, also ausmisten. Am Samstagnachmittag warteten schwere Männerarbeiten auf die Erledigung, etwa Pflügen oder Kartoffeln „rausmachen“.

Großen Aufschwung nahm auch die Textilindustrie in Neufra. Schon 1901 errichtete die Firma Balthas Blickle eine Filiale, die Theodor Stern und dann 1934 Otto Hoeschele übernahm und modernisierte. Beschäftigt wurden Frauen aus Neufra und der näheren Umgebung mit der Herstellung von Unterwäsche.

Die Geschichte dieser Trikotagen-Firma zeigt auch den Aufschwung und den Niedergang der Textilindustrie auf der mittleren Alb. Nach einem erfolgversprechenden Beginn in den 1930er Jahren musste nach der Demontage wichtiger Textilmaschinen durch die Franzosen 1946 wieder neu angefangen werden. In den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs florierte auch die Firma Hoeschele.

Die Neufraer Textilfabrikanten unterhielten sogar in den 1950er und 1960er Jahren Näh-Filialen in noch kleineren Orten, etwa Hoeschele in Kettenacker oder Kanz in Feldhausen. Stark vertreten war auch immer die Heimarbeit, die um 1975 einen Höchststand erreicht hatte. So konnte man konjunkturelle Schwankungen leichter ausgleichen. Genannt wurden bei der Paul Türk KG 1952 zwei Heimarbeiterinnen, 1974/75 die stolze Anzahl von 44 Heimarbeiterinnen zum Repassieren, Besetzen von Stramplern, Pullovern und Ausfahrgarnituren. 1990 fanden nur noch fünf Heimarbeiterinnen Zuverdienst beim „Türk“.   

In den 1960er Jahren noch konnte Albert Hoeschele eine Fabrikantenvilla im zeitgenössischen Stil mit Schwimmbad errichten. Dessen Sohn wiederum musste das Textilunternehmen 1996 schließen. Die ausländische Konkurrenz war einfach zu stark geworden.

Genauso ging es den anderen bekannten Textilfirmen, z.B. Kanz und Schey. Die Gebäude wurden dann oft von anderen Betrieben genutzt, z.B. von der aufkommenden Metallbranche, aber auch als Rathaus in Neufra. Gehalten haben sich nur wenige, zum Beispiel die bekannte Firma „Trigema“ in Burladingen.

Daten zum EisenbahnLehrpfad
Start BAHNHOF NEUFRA / 683 M Ü. NN
Ende FEHLAKAPELLE GAMMERTINGEN / 726 M Ü. NN
Höhenunterschied 43 M
Länge 2.3 KM

kinder ecke,

Wie funktioniert ein Bahnübergang?

Früher gab es an jedem Bahnübergang mit wichtiger Straße ein Bahnwärterhäuschen. Darin wartete ein Schrankenwärter, der auf einen Telefonanruf vom nächsten Bahnhof die Schranken schloss. War der Zug durch konnte er wieder die Schranken „hochkurbeln“. An unbeschrankten Bahnübergängen wurde gepfiffen, das gilt auch jetzt noch. Heute geht alles automatisch. Nähert sich ein Zug, wird über ein Sensor im Gleis das Schließen der Schranke oder das Blinken am Übergang ausgelöst. Ist der Zug durch, dann wird über einen weiteren Sensor das erkannt und das Öffnen oder Abstellen des Blinkens veranlasst. Autofahrer werden durch Warnzeichen auf den Übergang aufmerksam gemacht, denn Eisenbahnen haben immer Vorfahrt!